Das Château de Vincennes ist die größte erhaltene mittelalterliche Königsburg Frankreichs – eine gewaltige Festung aus dem 14. Jahrhundert am östlichen Rand von Paris, die aus einer königlichen Jagdhütte im Wald zur ambitioniertesten Wehranlage wurde, die die französische Krone je errichtete. Während die Loire-Schlösser Lustpaläste sind und Versailles eine einzige große Vision, ist Vincennes kompromisslos eine Festung: ein Kilometer Kurtine, sechs hohe Türme, ein tiefer Trockengraben und im Herzen der Donjon – ein 52 Meter hoher Bergfried, der höchste mittelalterliche Wehrturm Europas. 1337 unter Philippe VI. begonnen und 1369 unter Charles V. vollendet, war er dazu bestimmt, den König zu verteidigen und gleichzeitig die französische Regierung zu beherbergen.
Im Inneren des großen Bergfrieds schuf Charles V. eine befestigte königliche Residenz, wie sie im mittelalterlichen Europa ihresgleichen suchte. Der König lebte, studierte und regierte hier, umgeben von seiner berühmten Bibliothek und den Insignien der Staatsmacht – der Donjon fungierte als Palast, Schatzkammer und Machtzentrum in einem einzigen Turm. Daneben erhebt sich die Sainte-Chapelle de Vincennes, 1379 in Auftrag gegeben, um in Nachahmung der königlichen Kapelle in Paris Reliquien der Passion zu beherbergen. Ein Meisterwerk der Flamboyant-Gotik, das über fast zwei Jahrhunderte erbaut und ausgeschmückt wurde und von einigen der schönsten Renaissance-Glasfenster Frankreichs erleuchtet wird – ein aufragendes, lichtdurchflutetes Gegenstück zur wehrhaften Masse des Bergfrieds.
Vincennes ist auch eine Festung der Erinnerung. Nachdem der Hof nach Westen zum Louvre, nach Versailles und an die Loire abgewandert war, fand das Schloss ein langes zweites Leben als Staatsgefängnis, das Persönlichkeiten wie Diderot, den Marquis de Sade und Mirabeau in seinen Mauern hielt. Später diente es als Arsenal und Kaserne und ist bis heute ein französisches Monument historique – kein UNESCO-Weltkulturerbe –, eine lebendige Schicht französischer Geschichte, die unversehrt an der Metrostation am Ende der Linie 1 liegt. Das Eintrittsticket ist datumsflexibel: Sie wählen einfach Ihr Besuchsdatum und gehen während der Öffnungszeiten ohne Anstehen direkt hinein.